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Das Mediencurriculum – der zentrale Baustein eines jeden Medienkonzeptes

Das Mediencurriculum – der zentrale Baustein eines jeden Medienkonzeptes

Das Mediencurriculum - der zentrale Baustein eines jeden Medienkonzeptes

Um Fördergelder aus dem Digitalpakt Schule zu beantragen, ist es hilfreich, ein Medienkonzept erstellen. Der wohl wichtigste Baustein eines Medienkonzeptes ist das Mediencurriculum, auch “technisch-pädagogisches Einsatzkonzept” genannt. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte und konkrete Praxisbeispiele rund um das Mediencurriculum. Doch zunächst möchten wir Ihnen eine kurze Zusammenfassung darüber geben, was ein Medienkonzept ist.

Was ist ein Medienkonzept?

In einem Medienkonzept erfolgt die individuelle Planung des Einsatzes von digitalen Medien und Geräten in Ihrer Schule. Hierin wird der bisherige Medieneinsatz analysiert und der zukünftige Bedarf ermittelt. Sie erhalten mit einem Medienkonzept somit nicht nur einen Überblick über den aktuellen Stand sowie die zukünftige Ausrichtung im Bereich digitaler Medien, sondern gleichzeitig auch eine gute Übersicht über Ihre schulische Medienbildung. Nicht zuletzt dient ein Medienkonzept der Förderung der Medienkompetenz sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für das Lehrerkollegium.

Die Voraussetzung für ein gutes schulisches Medienkonzept ist die Verknüpfung mit anderen schulinternen Konzepten. Deshalb ist jedes Medienkonzept auch sehr individuell und kann nicht 1:1 auf andere Schulen übertragen werden. Zudem ist wichtig, das Medienkonzept nicht mit dem Medienentwicklungsplan zu verwechseln. Denn im Gegensatz zu einem Medienentwicklungsplan bezieht sich das Medienkonzept auf eine einzelne Schule und ist kein langfristiger Plan für digitale Medien aller Schulen in einer Kommune.

Was ist ein Mediencurriculum?

In einem Mediencurriculum wird konkret erfasst, wie digitale Medien und Geräte pädagogisch und didaktisch im Unterricht zum Einsatz kommen. Das bedeutet, Sie legen fest, welche digitalen Medien wann und in welchem Fach gelehrt werden. Darin enthalten sind zudem konkrete Unterrichtsbeispiele. Diese dienen den Lehrkräften als Unterstützung beim Unterrichten mit digitalen Medien. Die Beispiele können stichpunktartig genannt oder als umfangreiche Unterrichtsabläufe ausgearbeitet werden.

Beim Erstellen eines Mediencurriculums können folgende Fragestellungen hilfreich sein:  

  • Welche digitalen Medien haben Sie schon im Unterricht eingesetzt?
  • Welche Medienwerkzeuge bieten eine sinnvolle Ergänzung zum Unterricht?
  • Wie evaluieren Sie die Lernmotivation der Schülerinnen und Schüler im Unterricht durch den Einsatz digitaler Medien?
  • Welche Kompetenzen durch digitale Medien können Sie als Lehrkraft auf- und ausbauen?
  • Welche Fächer und Themen lassen sich im Unterricht effizienter, sinnvoller sowie kreativer mit digitalen Medien gestalten?

Ziel eines Mediencurriculums ist es, die Medienkompetenz Ihrer Schülerinnen und Schüler zu fördern. Jedoch nicht nur punktuell und exklusiv, sondern durch eine breite Verteilung auf alle Fächer und in allen Klassenstufen. Deshalb ist es ein komplexes Projekt und erfordert, dass Sie sich schulintern auf gemeinsame schulische Entwicklungsschwerpunkte festlegen. Da das Mediencurriculum als Arbeitsgrundlage für alle Lehrkräfte Ihrer Schule dient, fördert es gleichzeitig die kooperative Unterrichtsentwicklung in einem Fach und sogar über das Fach hinaus. Zudem wird der grundsätzliche Einsatz von digitalen Medien gefördert und effektiver, da Lehrkräfte oftmals Probleme aufgrund mangelnder Zeit, technischer Komplexitäten oder der Auswahl passender Geräte und Methoden haben.

Medienkompetenzbereiche und konkrete Beispiele

Eine gute Medienkompetenz bedeutet nicht nur, das Wissen zu haben, mit einem Computer umzugehen, sondern beinhaltet vor allem die Fähigkeit, sich neues Wissen zu erschließen. Die Steigerung der Medienkompetenzen beeinflusst unser kritisches Denken positiv.

Damit all diese Fähigkeiten strukturiert gelehrt werden können, ist es sinnvoll, diese in sogenannte Kompetenzbereiche zu unterteilen und festzuhalten, in welchem Fach, wann welcher Kompetenzbereich vermittelt wird.

Nachfolgend erhalten Sie zu jedem Kompetenzbereich eine kurze Erläuterung. Die folgenden Unterrichtsbeispiele zu jedem Kompetenzbereich geben Ihnen ein besseres Verständnis für eine mögliche Anwendung in der Praxis.

Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren

Beim Kompetenzbereich Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren ist es erforderlich, die Kriterien für eine effiziente Suche zu definieren. Nicht immer ist das erste Suchergebnis das für den Zweck richtige. Deshalb können Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern üben, Suchergebnisse auszuwerten und zu hinterfragen. Gemeinsam erarbeiten Sie, welche Ergebnisse wirklich wichtig sind und welche zum Beispiel nur zu Werbezwecken dienen. Außerdem zeigen Sie Ihren Schülern, wie sie gefundene Daten speichern und in digitalen Ordnern zusammenfassen.

Das Unterrichtsbeispiel: Eine Werbeanzeige für ein Produkt gestalten

Ihre Schülerinnen und Schüler arbeiten am PC und suchen zunächst geeignetes Bildmaterial für ein Produkt ihrer Wahl im Internet. Dies soll im Anschluss von ihnen bearbeitet und mit einem Text versehen werden. Ihre Schülerinnen und Schüler lernen dadurch, geeignetes Material zu recherchieren, zu bearbeiten und in einem geeigneten Verzeichnis zu speichern. Solch ein Prozess fordert kreatives Denken, Gestaltungskompetenzen und ist hilfreich für verschiedene Unterrichtsfächer.

Kommunizieren und Kooperieren

Im Kompetenzbereich Kommunizieren und Kooperieren geht es darum, welche digitalen Kommunikationsmittel es gibt und welches am besten wofür verwendet werden. Hier lernen Ihre Schülerinnen und Schüler nicht nur, digitale Medien verantwortungsvoll zu nutzen, sondern auch, auf welchem Weg sie sicher kommunizieren. Denn nicht jedes Chatprogramm achtet auf die Privatsphäre und nicht jeder Kommunikationskanal ist sicher. Auch das Erlernen von Online-Softwareprogrammen, mit denen Ihre Schülerinnen und Schüler untereinander zusammenarbeiten können, gehört in diesen Bereich. Sie lernen zum Beispiel, gemeinsam an Dokumenten oder Tabellen zu arbeiten. Zudem lernen sie den Unterschied zwischen öffentlichen und privaten Diensten kennen und können dadurch besser entscheiden, welche Informationen sie über einen privaten Dienst verschicken und welche Informationen sie öffentlich teilen wollen.

Das Unterrichtsbeispiel: Einen Erklärfilm produzieren

Lassen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler einen kurzen Erklärfilm produzieren. Am besten teilen Sie sie in kleine Gruppen ein und lassen sie einen bestimmten Vorgang oder Prozess an Ihrer Schule darstellen. Ihre Schülerinnen und Schüler lernen somit den richtigen Umgang mit digitalen Geräten, wie zum Beispiel der Kamera. Außerdem wissen Sie danach, wie sie Informationen, Links und Dateien miteinander teilen und so ablegen, dass alle darauf Zugriff haben.

Produzieren und Präsentieren

Von dem Wissen aus diesem Kompetenzbereich profitieren Ihre Schülerinnen und Schüler auch in anderen Unterrichtsfeldern, denn sie erlernen hier nicht nur das richtige Präsentieren, sondern sie lernen auch, welches Format sich für welchen Zweck am besten eignet. Denn es gibt nicht nur Bilder und Texte, sondern auch digitale Collagen, Erklärfilme, PowerPoint-Präsentationen und vieles mehr. Sie bringen Ihren Schülerinnen und Schülern bei, wie sie die entsprechenden Formate erstellen und zum Beispiel für ein Referat einsetzen können. Richtiges Präsentieren gehört zu einer der wichtigsten rhetorischen Kompetenzen und fördert unser „Sprachkapital“. Einige Kinder sowie Erwachsene haben Redeangst. Um dem entgegenzuwirken, ist es hilfreich, verschiedene Präsentationstechniken mittels spezifischer Übungen zu lehren und lernen. Dies kann zudem Einfluss auf die Rhetorik und Artikulation nehmen.

Das Unterrichtsbeispiel: Präsentation Impressionismus

Nach einer Einführung zum Impressionismus lernen Ihre Schülerinnen und Schüler Künstlerinnen und Künstler aus dieser Kunst-Stilrichtung kennen. Sie wählen selbst aus, welches Werk sie vorstellen und in welchem Format sie es präsentieren möchten. Neben der ersten Kompetenz Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren ist zudem auch die Recherche, Auswertung und Speicherung von Material sowie die passende Auswahl einer Präsentationstechnik und eines -formates erforderlich. Durch das selbstständige Erarbeiten und Auswählen des Formates erlernen die Schülerinnen und Schüler eine zusätzliche Art der Präsentation.

Schützen und sicher Agieren

Digitale Medien haben nicht nur Vorteile. Wenn man sich nicht mit ihnen auskennt, birgt der Umgang mit ihnen ein gewisses Gefahrenpotenzial. Daher geht es im Kompetenzbereich Schützen und sicher Agieren vor allem darum, Bedrohungen und Gefahren zu erkennen und zu lernen, wie man sich am besten vor ihnen schützt. Weiterhin geht es in diesem Bereich um Persönlichkeitsrechte im Internet, den Umgang mit personenbezogenen Daten, und welche gesundheitlichen Risiken digitale Medien mit sich bringen können. Datenkompetenz bzw. Data Literacy umfasst die Fähigkeiten, Daten auf kritische Art und Weise zu sammeln, zu managen, zu bewerten und anzuwenden. 

Das Unterrichtsbeispiel: Eine Fotostory anhand eines Lektionstextes erstellen

Ihre Schülerinnen und Schüler wählen eine Lektion ihrer Wahl und erstellen in eigenen Kostümen eine Fotostory dazu. Die Fotos werden auf einen Computer übertragen. Mithilfe einer Software werden die Bilder sortiert und um Texte in Sprechblasen ergänzt. Die Kinder erfahren bei diesem Projekt, wie wichtig es ist, persönliche Bilder sicher abzuspeichern und auf einem sicheren Weg weiterzuverarbeiten.

Problemlösen und Handeln

Programme und Algorithmen bestimmen heute unseren Alltag. Schülerinnen und Schüler, die sich schon früh damit beschäftigen, finden sich leichter in der digitalen Welt zurecht. Im Kompetenzbereich Problemlösen und Handeln besprechen Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern, welche digitalen Programme und Werkzeuge es heutzutage gibt und wie sie diese bedarfsgerecht einsetzen. Ein weiterer Punkt ist die Automatisierung von Prozessen. Sie zeigen ihnen auf, welche Prozesse in der heutigen Zeit schon automatisiert ablaufen. Ein tägliches Beispiel finden viele Kinder schon im eigenen Zuhause, in dem Bewegungsmelder, Licht, Rollläden oder die Heizung automatisiert gesteuert werden. Zudem können Sie gemeinsam erörtern, welche Vor- und Nachteile diese Automatisierungen haben.

Das Unterrichtsbeispiel: Einen Film neu vertonen

Die Aufgabe besteht darin, einen beliebigen Film neu zu vertonen. Dazu konzipieren Ihre Schülerinnen und Schüler eine Tonspur und präsentieren diese anschließend. Die Kinder lernen dabei, wie sie entsprechende Werkzeuge bedarfsgerecht einsetzen und kreativ anwenden. Hierbei wird der Umgang mit einem Ton-Aufnahmegerät geschult und daraufhin das Material anschließend in einem geeigneten Videoschnitt-Programm bearbeitet und auf den Film angepasst.

Analysieren und Reflektieren

Digitale Medien dienen nicht nur zu Informationszwecken, sondern werden auch gleichzeitig als Marketingkanäle ausgenutzt. Im Kompetenzbereich Analysieren und Reflektieren helfen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern, dies zu erkennen. Sie erlernen einen selbstbestimmten und reflektierten Umgang mit digitalen Medien, dazu gehört das Unterscheiden von Werbearten und die Ziele solcher Maßnahmen kritisch zu hinterfragen, um insgesamt sein eigenes Medienverhalten besser steuern zu können.

Das Unterrichtsbeispiel: Einen Zeitungsbericht schreiben

Hierbei ist die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler, einen Zeitungsartikel verfassen und ein dazugehöriges Titelbild erstellen. Sie wählen dazu gemeinsam ein berichtenswertes Ereignis aus und stellen mithilfe von Spielfiguren ein passendes Bild nach. Ihre Schülerinnen und Schüler lernen dadurch die Gestaltungsmöglichkeiten von digitalen Medien kennen und diese richtig zu analysieren. Auch durch das Gestalten von Vorspann, Untertitel und Schlagzeile lernen sie, einen Bericht so zu schreiben, dass sich der Leser angesprochen fühlt.

Unser Fazit 

Die Digitalisierung erfordert Mut und Freude, Neues zu entdecken. Trauen Sie sich, verschiedene Dinge auszuprobieren und experimentieren Sie ruhig ein wenig. Setzen Sie Ihre eigenen Ansprüche zu Beginn nicht zu hoch an. Entwickeln Sie Ihre Unterrichtsinhalte Stück für Stück weiter. Da der Unterricht mit digitalen Medien sich immer wieder etwas verändern wird, ist auch das Mediencurriculum immer in einem ständigen Entwicklungsprozess. Wichtig jedoch ist, dass Sie einen Anfang machen. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg dabei!

 

Portrait of happy young students on color background